Samstag, 16. Juli 2016

Tiefdelta


Es war so 23 Uhr nachts. Den Tag davor hatte ich damit verbracht im Zickzack durch’s Krankenhaus zu hüpfen um die Wochenendwünsche der Stationen zu erfüllen. Gerade hatte ich noch einen Patienten auf das letzte freie Bett aufgenommen und wartete nun sehnsüchtig auf meine Ablösung, die Nachtschicht. So ungefähr zwei Stunden wartete ich da schon.
Nicht gewillt auch die Nacht im wunderschönen Klinikum Beteigeuze zu verbringen und zudem im glorreichen Besitz der Privathandynummer von Fr. Dr. Bo, der designierten Nachtschicht der Nacht des Wochenendes, rief ich also da mal an.
Kling kling… kling ring…
„Grxxx …. Grrr… Frau Dr. Bo am Telefon…wer weckt mich zu dieser Stunde?!?“ Frau Doktor Bos Stimme grub sich krächzend aus einigen Tiefschlafdeltawellen hervor.
„Öh hallo Bo. Hier ist Zorgcooperations. Du hast doch die Nachtschicht heute. Kommst du mich bald ablösen?“
„Grxx… WAS? Nö. Ich habe erst NÄCHSTE Woche die Nachtschicht!“
Verwirrt warf ich einen Blick auf den Dienstplan in meiner Hand: „Ah da hast du AUCH Nachtschicht Bo!“
„Urgh… MIST. Na gut, ich komme.“ Mit einem lauten Klonk fiel Bo aus ihrem Bett und eilte mir zur Ablösung.
Viel zu spät verließ ich dann das Krankenhaus um mit einem mittellauten Glump (?) in mein eigenes Bett zu fallen.


Samstag, 9. Juli 2016

Jetzt müsste ich noch wissen, welche Medikamente sie einnehmen: 6 beliebte Standardantworten



1.    Medikamente, die ich einnehme? Öh… Da müssen sie meine Frau fragen, die weiß das!
2.    Ich nehme drei Medikamente gegen hohen Blutdruck. Keine Ahnung wie die heißen. Eine ist so klein und weiß, da nehme ich nur eine halbe.
3.    Hm ja. Und da nehme ich dann das Torasemid. – Wieviel nehmen sie davon denn ein?-  Ja eine Tablette. – Ok. Und wieviel Milligramm enthält ihre Tablette? - Da wollen sie jetzt echt zu viel wissen.
4.    Außerdem habe ich so eine Allergie gegen dieses Antibiotikum. Welches? Hm das weiß ich jetzt nicht so.
5.    Können sie nicht einfach meinen Hausarzt anrufen und fragen? – Theoretisch ja. Praktisch ist es jetzt leider 1 Uhr nachts.
6.    Also ich nehme zwei verschiedene Tabletten. Von der einen da nehme ich eine halbe am Morgen und von der anderen eine ganze am Abend. – Ah. Hmhm.

(Ausgleichend seien hier aber auch die vielen Patienten erwähnt, die ganz genau wissen was sie einnehmen oder sogar einen Medikamentenplan mitbringen.)


Samstag, 2. Juli 2016

Frühstück!



Herr Gümpzü sollte eine Magenspiegelung bekommen. Für so eine Untersuchung muss der Patient nüchtern sein, da man sonst unter den Frühstückteilen nicht so viel vom Magen sieht. Oder aber der Patient würgt das Frühstück während der Untersuchung wieder hoch und atmet es im gleichen Zug ein. Die Lunge resorbiert so ein Frühstück jetzt leider nicht so gut und öh deswegen bekommen die Patienten vor der Untersuchung nichts zu essen.
Herr Gümpzü fand das schlecht und nachdem er ziemlich lange warten musste, trank er stattdessen eine große Flasche Orangensaft und einen Liter Kaffee. Die Gastroenterologen sagten, das ginge so nicht. Mit zwei Litern Flüssigkeit im Bauch wäre ihnen das zu kritisch. Herr Gümpzü wurde auf den nächsten Tag verschoben.
Der nächste Tag brachte zwei komplizierte Notfälle, die den Betrieb aufhielten. Nicht alle geplanten Untersuchungen konnten durchgeführt werden. Als die Gastroenterologen dies gegen Mittag merkten, verschob man Herrn Gümpzüs Untersuchung auf den nächsten Tag.
Und: Pech muss man haben. Am folgenden Tag hatte man einfach komplett vergessen Herrn Gümpzü in den Terminkalender einzutragen. Dies fiel gegen Mittag auf, nachdem die magenspiegelnden Gastroenterologen alle schon heimgegangen waren.
Die Schwestern, zitternd vor der Wut des hungrigen Herr Gümpzüs, schickten nun mich vor, auf dass ich die schlechte Nachricht des erneuten Ausfalls der Magenspiegelung verkünden sollte.
Hin ging ich also. Das ein Patient drei Tag auf seine Untersuchung warten musste, war mir natürlich auch sehr unangenehm. Ich entschuldigte mich sehr ausführlich. Herr Gümpzu war dann auch unglaublich wütend. Ich erwartete hier eine zornige Tirade auf diese schlechte Organisation (zurecht), stattdessen rief Herr Gümpzü: „Schon 3 Tage habe ich kein Frühstück bekommen! DREI TAGE OHNE FRÜHSTÜCK!!! Was denken sie sich eigentlich!!!“
„Das tut mir sehr leid. Ich werde mich persönlich darum kümmern, dass sie morgen als einer der ersten zur Magenspiegelung dran kommen.“
„NEIN NEIN. Das mache ich nicht mehr mit. Noch ein Tag ohne Frühstück, das halte ich nicht aus! Ich brauche jetzt erst mal ein paar Wochen Erholung davon!“
„Oh. Hm. Herr Gümpzü sind sie sich sicher? Ich weiß, das ist alles extrem blöd gelaufen. Aber wenn sie morgen früh gleich drankommen, dann ist die Zeit ohne Frühstück auch relativ kurz. Das könnte doch gehen.“
Herr Gümpzü willigte schließlich grummelig ein und ich telefonierte mit ungefähr dem halben Krankenhaus, konnte ihm schließlich aber den ersten Untersuchungsplatz des folgenden Tages sichern. Die Gastroenterologen hatten hier wohl auch ein schlechtes Gewissen bekommen.