Samstag, 21. September 2019

Feuer?

Einmal kam ich zur Nachtschicht. Während ich durch einen praktischen Seiteneingang wanderte, begrüßte mich ein seltsamer Piepston, der in den höheren Stockwerken nachließ, was schön war. Der Tagesarzt sagte, das wäre irgendwie der Feueralarm gewesen, aber er würde jetzt auf jeden Fall gehen; es wäre noch ein Patient angemeldet mit allergischer Reaktion. 

Dann passierte eine Weile nichts und die Schwester sagte zu mir: „Jaja, dein Patient mit der allergischen Reaktion ist ja da, aber sie kommen nicht rein wegen der Aufzüge.“ – „Hä warum?“ – „Ja wegen dem Feueralarm. Da gehen die Aufzüge nicht.“ „!!?.“
 Hier war ich etwas unschlüssig, denn hier im ersten Stockwert, hörte man nichts vom Alarm. Sollten wir irgendwas evakuieren? Oder nicht? War das ein Fehlalarm?

Meine Krankenschwester erklärte nun der Rettungsdienst stände erst mal vor dem Haupteingang und da der Patient nun nicht zu mir konnte, beschloss ich mal lieber selber hin zu gehen.

In der Eingangshalle traf ich auf mehrere Feuerwehrmännern in voller Ausrüstung inklusive Atemschutzmaske. An diesen wanderte ich unbedarft in Turnschuhen und blauem Kasack vorbei,  Aufnahmebogen in der Hand. Vor der Eingangstür stand der Einsatzleitungswagen der Feuerwehr und alle anderen Feuerwehrautos, die es in Beteigeuze so gab. Dazwischen auch unser Rettungswagen mit meiner Patientin. Der ging es gut. Der Notfallsanitäter hatte auf telefonische Anweisung schon Fenistil und Cortison gegeben. Frau Klomp-Juhp hatte daher nur noch einen leichter Ausschlag. Ich fragte Frau Klomp-Juhp ein paar Sachen, untersuchte sie und notiere etwas auf meinem Bogen. Danach standen wir ratlos im Auto herum und ich fragte die Patientin ob sie nicht mit mir zusammen in das Krankenhaus reinlaufen könne. Ihr ging es ja ganz gut.

Wir liefen also rein an allen Feuerwehrleuten vorbei und ich überlegte ob das jetzt die Superidee gewesen war und wir gerade stupide in einen akuten Brand wanderten. Der Alarm war auf jeden Fall aus und niemand rief: ‚Nahain sie laufen direkt ins Feuer!‘ Mehrere Patienten kaufen Eis aus dem Eisautomaten. Die Dame an der Information war auch nicht evakuiert. Ich wertete das als gute Zeichen und lotste Frau Klomp-Juhp über die Treppe in unsere Aufnahme, wo wir sie noch ein bisschen mehr überwachten. Frau Klomp-Juhp freute sich, dass sie eine Kabine mit Fenster erwischt hatte und so der Feuerwehr zusehen konnte. Durch den von ihr bereit gestellten Live-feed erfuhr ich, dass die Feuerwehr nun wieder abrückte, obwohl immer noch niemand zu wissen schien, WAS in aller Welt eigentlich los war.

Hierauf hin bedrängten wir Schwester Margarita, die durch günstige Umstände einen Feuerwehrmann geheiratet hatte. Schwester Margaritas Ehemann schickte pflichtbewusst eine SMS: ein kaputtes Heiß-Wasser-Rohr wäre äh kaputt gewesen. Das habe man nun deaktiviert und alles wäre wieder super.

Daraufhin entließ ich Frau Klomp-Juhp.


Montag, 12. August 2019

Entlassmanagement



Seit einer ganzen Weile gibt es nun das Super-Entlassmanagement vom äh Bundesgesundheitsministerum mitgegründet. Für eine bessere Entlasskoordination der Patienten, die wir wieder rauslassen aus dieser Klinik. Weil früher haben wir die ja einfach so auf die Straße gekippt.

Hier also der aktuelle Lagebericht, was wir so tun:

Entlassrezepte erstellen! 

In Beteigeuze, hält man die alten Traditionen hoch. Was potentiell unpraktisch sein kann: Für die Ergatterung eines solchen, neuartigen Rezeptes hatte man sich ins Chefarztsekretariat zu begeben. Hier wurde man von einer strengen Sekretarin befragt, inwiefern dieses Rezept wirklich nötig wäre und warum der Patient denn nicht bitte nach Entlassung zum Hausarzt gehen könne um sich selbst alles zu besorgen. Nachdem man eine komplizierte Beweisführung angetreten hatte, in der man erklärte, Dr. Blomann, der Hausarzt des Patienten habe leider Freitag nur bis 10 Uhr morgens offen und danach wäre ja auch noch der Feiertag, sagte die Sekretärin: „Hach ah ja der Blomann. Na gut. Mache ich ihnen das Rezept. Können sie nachher abholen.“
Diese Methode war zeitaufwendig, frustrierend und endete in der Regel damit, dass eine freundliche Krankenpflegekraft, dem Patienten alle Medikamente mitgab bis Dr. Blomann wieder aufmachte.  Am Ende einigte man sich darauf, dass auch die Stationen mit dem anwesenden Arzt so ein Superrezept rausgeben durften.

Entlassmanagementzettel verteilen:

Der Patient bekommt schon bei Aufnahme einen großen Stapel Papier, welcher ihn über alles nötige informiert. Den Schutz seiner Daten, die Möglichkeit eines Telefons, die Bezahlung des Aufenthaltes, die Installation des Telefons, noch andere Zettel und jetzt auch das Extrablatt, ob er denn einverstanden ist mit diesem Entlassmanagement.
Dieses wollen-sie-wirklich-unser-tolles-Entlassmanagement-Blatt enthält (ähnlich der restlichen Blätter) sehr viel und sehr klein geschrieben Text. Dieser erklärt in sachlich komplexer Sprache den äh Sachverhalt, nämlich „Wollen sie es jetzt das Entlassmanagement?!?!“  und fordert eine Unterschrift.
Weil „Entlass“ in der Überschrift steht, verwirrt das Blatt den Patienten und auch die Angehörigen, die es später auf dem Nachttisch des Patienten finden (Dort hinterlässt es das Krankenpflegepersonal fürsorglich, wenn der Patient zu krank, zu dement oder zu weit weggetreten ist um noch ein Zettelmanagement zu betreiben.) Man hat den Vater/Mutter u.ä. doch gerade erst aufgenommen!
Meistens muss dann der Arzt kommen und erklären: Nein, nein, das ist nicht der Entlasszettel, also im weiteren Sinne schon, aber wir planen natürlich nicht ihren schwer kranken Angehörigen sofort nach der Aufnahme ins Krankenhaus zu entlassen. Das ist sozusagen für die ferne Zukunft. 
„Aber man hat uns versprochen, unsere Oma dürfte bei ihnen VERSTERBEN!!! UND JETZT WOLLEN SIE SIE ENTLASSEN!!!“
„Wissen sie, dass ist so ein Routinezettel, den bekommt erst mal jeder Patient. Wir werden ihre Oma jetzt nicht entlassen. Hier sehen sie ich nehme den Zettel erst mal mit...“


Donnerstag, 18. Juli 2019

Super-Infusionen


Herr Grünapfel hatte eine schwere chronische Krankheit. Und dann noch mehrere andere Krankheiten. 

Aktuell fühlte er sich nun sehr schwach, hätte Gewicht verloren und ihm sei immer schlecht. Vielleicht wegen der neuen Tabletten. Die wolle er eigentlich gar nicht mehr nehmen. Deswegen wollten wir ihn gerne aufnehmen. Zur Optimierung der Situation und so.

 „Ja!“ sagte Herr Grünapfel, „meine Hausärztin sagte ich könnte so Infusionen zum Aufbauen bekommen.“

„Ah hm, hat die Hausärztin da was bestimmtes erwähnt?“

„Na zum Aufbauen!“

„Also aktuell bekommen sie eine Infusion, weil ihre Blutsalze etwas durcheinander sind. Das Kalium ist leicht erniedrigt.“

Herr Grünapfel empfand dies als nicht aufbauend genug. 

„Ah, ich denke die Hausärztin meinte da eine intravenöse Ernährung, weil sie so abgenommen haben? Das könnten wir durchaus überlegen. Wir würden dann aber gerne noch einen größeren Venenzugang am Hals legen, damit diese Infusion besser verträglich ist.“

„Nein so einen Zugang möchte ich nicht.“

„Hm ok. Man kann es auch für kurze Zeit über den kleinen Zugang am Unterarm machen.“

„Also eigentlich will ich erst mal keine intravenöse Ernährung.“

„Hm ok. Möchten sie vielleicht einmal eine hochkalorische Trinknahrung versuchen?“

„Ach, das habe ich schon zuhause.“ 

„Und war das was?“

„Na, die habe ich noch nicht benutzt.“

„Hmhm. Dann könnten wir das doch probieren.“

„Und was ist mit den Infusionen?“

„Wir fangen mal mit der Infusion mit dem Kalium hier an. Und dann sehe ich, sie haben noch nie eine Magenspiegelung gehabt. Wenn ihnen immer so schlecht ist, sollten wir das zur Sicherheit machen.“

„Ist das die Untersuchung bei der man vorher nichts essen darf?“

„Ja sie dürfen 6 Stunden lang davor nichts essen.“

„Also das halte ich nicht aus. Diese Untersuchung mache ich nicht.“

„Vielleicht können wir sie morgens ganz früh einplanen?“

„Nein, nein, das geht nicht. Meine Hausärztin sagte ich würde hier Infusionen bekommen!“

(Wir haben dann eine Infusion mit einem gelben Vitaminpräparat erstellt. Das sieht zumindest gut aus.)